Psychiatrie und Psychotherapie

Krankheitsbilder

Psychische Erkrankungen sind schon für die Betroffenen nicht leicht zu begreifen. Menschen aus dem persönlichen oder beruflichen Umfeld können meist noch weniger verstehen, was eigentlich los ist: Ein gebrochener Arm ist sichtbar, eine Depression dagegen nicht. Oft fallen dann Sätze wie „Wir alle haben mal schlechte Tage“, „Mach was Schönes, damit Du auf andere Gedanken kommst “ oder „Reiß dich zusammen“. Diese mitunter wohlmeinenden Sätze führen dazu, dass sich die Betroffenen zusätzlich schlecht fühlen – und vor allem unverstanden. Es gibt jedoch auch psychische Erkrankungen, unter denen vorwiegend die Mitmenschen leiden: Den Betroffenen selbst ist vielleicht gar nicht klar, was bei Ihnen „falsch“ sein könnte oder warum sie sich behandeln lassen sollten. Nach ihrem Erleben sind es doch die anderen, die sich „komisch“ oder „falsch“ verhalten. Als festen Bestandteil der Therapie vermitteln wir unseren Patienten daher Kenntnisse über ihre eigene Erkrankung. Der Fachbegriff dafür lautet Psychoedukation.

Nachfolgend wollen wir Ihnen einen ersten Überblick zu ausgewählten psychischen Erkrankungen geben. Bitte beachten Sie, dass die Darstellungen nicht vollständig sind. Ob Sie eventuell an einer psychischen Erkrankung leiden, kann nur nach einer Untersuchung durch einen Facharzt geklärt werden.

Angst

Angst ist ein Gefühl, das jeder kennt, und hat die positive Funktion, uns vor Gefahren zu schützen. Keine Angst zu haben, würde zur Folge haben, dass wir dazu neigen würden, uns leichtsinnig zu verhalten. Doch Angst hat auch andere Aspekte: Manche Menschen empfinden Angst als angenehm und genießen diese, wie zum Bespiel bei der Lektüre von Kriminalromanen oder beim Anschauen von Horrorfilmen.

 

Angst ist ein Gefühl, das älter ist als die Menschheit und schon in der Tierwelt existiert. Dort sowie auch bei uns, hat Angst die Funktion, alle unsere Körperreserven zu mobilisieren, zum Beispiel, wenn wir früher von einem Löwen angegriffen wurden und vor ihm fliehen oder mit ihm kämpfen mussten. Damals wie heute schalten die Muskeln auf maximale Kraftentfaltung, was zur Folge hat, dass wir anfangen zu zittern, wenn wir uns nicht oder nur wenig bewegen. Um die Muskulatur mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen, fängt das Herz an, sehr schnell zu schlagen, wir bekommen Herzrasen. Aufgrund der Muskelaktivität wird uns heiß und wir fangen an zu schwitzen. Gleichzeitig wird die Blutzufuhr dort eingeschränkt, wo sie im Falle von Gefahr nicht notwendig ist, zum Beispiel im Verdauungstrakt, dies hat zur Folge, dass uns übel wird. Da wir in einer solchen Notfallsituation intuitiv handeln sollen, wird die Denkfähigkeit zurückgefahren, so dass wir das Gefühl der „Leere im Kopf“ haben. Diese körperlichen Reaktionen und Symptome der Angst sind seit Jahrmillionen unverändert, auch wenn wir heute nicht mehr gegen Löwen kämpfen, sondern beispielsweise Angst vor schwierigen Prüfungen haben, bei denen uns eine solche Reaktion nicht mehr nutzt.

 

Bei den Tieren sind die Situationen, die Angst erzeugen, im Wesentlichen angeboren, was zur Folge hat, dass Tiere noch nicht ausreichend Angst erlernen konnten vor den Gefahren der Zivilisation. Dies hat zur Folge, dass die Tiere jedes Frühjahr vielfach im Straßenverkehr sterben. Im Gegensatz dazu werden wir Menschen fast angstfrei geboren und müssen die gefährdenden Situationen, die bei uns Angst auslösen, erst im Laufe des Lebens lernen. Dies hat den Vorteil, dass wir Menschen uns sehr flexibel auf neue Gefahren einstellen können. Andererseits hat es den Vorteil, dass eine einmal gelernte Angst auch wieder verlernt werden kann.

 

So ist es zunächst notwendig zu überprüfen, ob die Angst, die ich verspüre, einen realen Hintergrund hat. Wenn die Gefahr real ist, muss ich handeln. Bei unbegründeten Ängsten, wie zum Beispiel Prüfungsangst oder Angst vor dem Zahnarztbesuch oder Angst vor leeren Plätzen, fühlen wir uns behindert. In dem Fall kann Angst krankhaft werden.

 

Angst kann aber auch als Symptom von anderen Erkrankungen auftreten, dies mögen körperliche Erkrankungen sein, aber auch als Symptom anderer psychischer Erkrankungen.

Ausprägungen der Angst

Als eigene Erkrankung gibt es einerseits die Phobie: diese bezeichnet Ängste vor spezifischen Situationen, beispielshaft Menschenmengen, öffentliche Plätze, Spinnentiere und anderem. In diesem Rahmen gibt es auch die sogenannte soziale Phobie, die Angst vor sozialen Situationen, beispielshaft in Restaurants, an der Kasse im Supermarkt oder Ähnliches.
Weiter gibt es die Panikstörung, bei der anfallsartig stärkste Ängste auftreten.
Die generalisierte Angststörung bezeichnet eine Störung, bei der Ängste unspezifisch und frei flottierend auftreten.


Die Folge von Ängsten kann sein, dass die Menschen sich zurückziehen, vielleicht ihre Potentiale bei der Arbeit nicht ausschöpfen können und ihre Karriere nicht so beschreiten können, wie es möglich wäre. Aber auch Depressionen oder Suchterkrankungen können Folge einer Angststörung sein.

Behandlung

Die Behandlung einer Angsterkrankung besteht im sogenannten Expositionstraining. Im Kern geht es darum, sich den angstbesetzten Situationen, die objektiv keine Gefahr darstellen, auszusetzen und zu lernen und zu spüren, dass die Angst unbegründet ist. Beispielsweise bei einer Spinnenphobie könnte der erste Schritt sein, über Spinnen zu sprechen, sich mit Spinnen auseinanderzusetzen und beispielsweise im Internet über Spinnen zu recherchieren, Spinnenterrarien im Zoo zu besuchen, vielleicht einmal eine Spinne unter dem Vergrößerungsglas anzuschauen und schließlich eine Spinne auf die Hand zu setzen. Man wird dabei sehen, dass die Spinne viel größere Angst vor einem Menschen hat, als dieser vor der Spinne haben muss.
Eine Psychotherapie bei einer Angststörung sieht nach einer Diagnostik und nach einer Aufklärung vor, dass den Betroffenen ein Erklärungsmodell erläutert wird. Nach gedanklichen Übungen folgen praktische Übungen, eventuell mit ergänzenden Verfahren unterfüttert. Schließlich wird eine Rückfallprophylaxe besprochen.


In seltenen Fällen können auch Medikamente eingesetzt werden, hier stehen an erster Stelle die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, also Medikamente gegen Depression. Gelegentlich eingesetzte Benzodiazepine, wie zum Beispiel Diazepam, haben den großen Nachteil, dass sie suchterzeugend sein können, deshalb sollte man diese möglichst nicht oder im äußersten Fall nur sehr kurzfristig einsetzen.

 

Es sollte klar sein: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern Angst zu überwinden.

Demenz

In unserer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, tritt Demenz – eine zunehmende Vergesslichkeit – häufig auf. Circa zwei bis vier Prozent der 65- bis 70-Jährigen leiden unter einer krankhaften Gedächtnisstörung. Die Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben, die zum Teil auch sehr gut behandelbar sein können. Deshalb ist trotz aller Scham der Betroffenen eine frühzeitige, sehr gründliche Untersuchung entscheidend. Hierzu gehören ein Gespräch über die Beschwerden und die Krankheitsgeschichte, gegebenenfalls auch mit den Angehörigen, eine eingehende körperliche Untersuchung durch den Arzt, eine umfangreiche Laboruntersuchung, ein Elektrokardiogramm (EKG), eine Bildgebung vom Kopf (CCT oder cMRT), eine Untersuchung der Hirnströme (EEG) und eine eingehende psychologische Testung.

Eventuell können weitere Untersuchungen notwendig sein.

Alle Untersuchungen können im Marien Hospital und dem St. Johannes-Hospital durchgeführt werden.

Beschwerden

  • Die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen nehmen ab. Davon wird das alltägliche Leben stark beeinträchtigt: Die Betroffenen können sich schlecht Namen, Ereignisse, Orte und zeitliche Abläufe merken sowie kaum neue Informationen aufnehmen. An Erlebnisse der letzten Tage und Woche erinnern sie sich wenig. Demgegenüber sind Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend meist sehr lebhaft.
  • Die Aufmerksamkeit ist vermindert. So können sich Betroffene nur kurzzeitig konzentrieren. Es fällt ihnen mit der Zeit schwer, längeren Gesprächen zu folgen. Das Interesse an frühere Aktivitäten nimmt deutlich ab.
  • Zunehmend treten Ungeschicklichkeiten auf, die dann zu kleineren oder auch größeren Unfällen führen können, etwa eine Tasse fallen lassen etc.
  • Die Betroffenen neigen zu Angst, sind häufig wütend/gereizt oder werden depressiv.
  • Oftmals verändert sich die Persönlichkeit, was mit Eigensinn und Sturheit einhergehen kann.


Menschen mit dieser Störung werden häufig auf ihre Vergesslichkeit angesprochen. Ihr Umfeld bemerkt, dass sie nicht mehr so flüssig sprechen und offenbar nach Wörtern suchen. Darüber hinaus können sich die Betroffenen schlecht zeitlich und räumlich orientieren – auch das fällt auf. 

Ausführlichere Informationen zum Krankheitsbild Demenz finden Sie hier:
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Schizophrene Psychosen

Die Schizophrenie ist eine Form der Psychose. Das Hauptmerkmal: ein gestörter Bezug zur Wirklichkeit. Hinzu kommt, dass die Betroffenen das Wahrgenommene nicht richtig verarbeiten. Psychosen können viele Ursachen haben. Bei einer Schizophrenie wird von Veränderungen im Hirnstoffwechsel ausgegangen.

Symptome

Ein Mensch mit Schizophrenie hat eine andere Sicht der Wirklichkeit. Häufig erlebt er Dinge, die für seine Umwelt nicht nachvollziehbar sind. So kann er beispielsweise:

  • Stimmen hören, die sein Tun kommentieren und miteinander (auch über ihn) reden, ohne dass tatsächlich jemand spricht.
  • der Überzeugung sein, dass andere seine Gedanken lesen.
  • befürchten, dass andere seine Gedanken oder seinen Körper manipulieren – häufig mit Strahlen.


Weiterhin sind erhebliche Denkstörungen möglich: Mitmenschen können die scheinbar logischen Gedanken und Schlussfolgerungen irgendwann nicht mehr teilen. Die Betroffenen fühlen sich unverstanden und werden durch derartige Erlebnisse häufig misstrauisch. Sie meinen, bedroht oder verfolgt zu werden und ziehen sich zurück. Fast immer kommt es zu massiven Schlafstörungen. In akuten Krankheitsphasen schlafen die Betroffenen kaum noch. Sie sind zumeist von ihrem Erleben völlig überzeugt und glauben nicht, dass sie krank sind. Drogen können die Symptome provozieren.

Ausführlichere Informationen zum Krankheitsbild Schizophrene Psychosen finden Sie hier:
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Depression

Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft. In Deutschland sind über sechs Prozent der Erwachsenen davon betroffen, prozentual mehr Frauen (7,8 Prozent) als Männer (4,8 Prozent). Das engere soziale Umfeld der Erkrankten wird oft stark in Mitleidenschaft gezogen. Depressionen werden durch Störungen des Gehirnstoffwechsels verursacht. Auslöser können unter anderem körperliche Erkrankungen, Medikamente, genetische Einflüsse, biografische Entwicklungen und/oder Bedingungen des sozialen Umfelds sein.

Beschwerden

Die Symptome einer Depression können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie treten auch nicht alle gemeinsam oder in einer bestimmten Reihenfolge auf.

  • Betroffenen gehen die Dinge des täglichen Lebens zunehmend schleppender von der Hand. Sie fühlen sich häufig niedergeschlagen und energielos.
  • Morgens wachen sie früher als gewohnt auf. Sie erleben eine innere Unruhe.
  • Es fällt ihnen sehr schwer, den Alltag zu beginnen. Möglich sind auch eine ausgeprägte Ruhelosigkeit, verbunden mit Antriebsschwäche.
  • Die Erkrankten haben kaum Lebensfreude oder Interesse an ihrem gewohnten Ablauf.
  • Konzentrationsstörungen können Gespräche und Unterhaltungen stark beeinflussen. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, was vom Umfeld registriert und manchmal angesprochen wird.
  • Depressive klagen oft über körperliche Symptome wie Herzrasen, Bauchbeschwerden oder Muskelverspannungen. Manchmal haben sie weniger Appetit und verlieren extrem an Gewicht.
  • Die Betroffenen glauben, an einer unheilbaren Erkrankung zu leiden.
  • Sie fühlen eine innere Leere oder beschuldigen sich selbst wegen vermeintlichen Fehlern in den Vorjahren. Die Verzweiflung kann so stark werden, dass der selbst herbeigeführte Tod als einzige Lösung erscheint.
Manie

Menschen mit einer Manie haben einen veränderten Bezug zur Wirklichkeit. Anders als bei einer Schizophrenie ist nicht in erster Linie das Denken, sondern das Gefühlsleben gestört. Die Manien gehören zur Gruppe der affektiven Störungen (affektiv = das Gefühlsleben betreffend).

Symptome

Manie-Betroffene zeigen folgende Auffälligkeiten:

  • Die Stimmung ist deutlich gehoben und „euphorisch“ (heitere Manie). Maniker können aber auch gereizt, angespannt-aggressiv und streitsüchtig sein (gereizte Manie).
  • Ihr Denken ist beschleunigt, ein Gedanke „jagt“ den nächsten. Nicht immer ist der Zusammenhang erkennbar.
  • Die Betroffenen lassen andere nicht zu Wort kommen und reden ununterbrochen.
  • Ihr Antrieb ist gesteigert, sie sind unentwegt beschäftigt und in Bewegung.
  • Maniker verlieren ihre sozialen Hemmungen: Sie vergessen, was sich gehört. Es kann zu einem gesteigerten sexuellen Interesse kommen.
  • Die Betroffenen nehmen nicht auf, was andere sagen und was um sie herum geschieht. Sie sind leicht ablenkbar.
  • überhöhte Selbsteinschätzung bis hin zu Größenwahn: Manche denken, sie seien sehr reich oder berühmt. Manche halten sich für bekannte Persönlichkeiten.
  • Ihr Optimismus ist unangemessen und maßlos.
  • Das Schlafbedürfnis ist erheblich vermindert oder fehlt völlig.
  • Maniker geben leichtsinnig Geld aus (Investitionen, Spenden).

In der Regel liegt bei Menschen mit einer Manie eine sogenannte bipolare (zweipolige) Störung vor. Das heißt: Sie erleiden sowohl depressive  als auch manische Krankheitsphasen. Häufig haben Maniker früher schon depressive Phasen durchlebt.

Ausführlichere Informationen zum Krankheitsbild Manie finden Sie hier:
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Persönlichkeitsstörung

Eine Persönlichkeitsstörung liegt vor, wenn bei einer Person bestimmte Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften oder Denkmuster derart ausgeprägt sind, dass sie nicht flexibel auf wechselnde soziale Situationen reagieren kann. Ihr Verhalten und ihre Einstellungen weichen deutlich von den Erwartungen anderer ab. Daraus entsteht erheblicher Leidensdruck – für den Betroffenen selbst oder für sein Umfeld.

Es gibt verschiedene Unterformen der Persönlichkeitsstörung:

  • abhängig (= dependent): Die Betroffenen verlassen sich in Beziehungen immer wieder auf „überlegene“, „führende“ und „starke“ Menschen. Den anderen zuliebe stellen sie ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurück und überlassen ihnen alle wichtigen Entscheidungen.
  • anankastisch (= zwanghaft): Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung werden von ihrer Umwelt oft als pflichtbewusste, unflexible, pedantische und eigensinnige Personen wahrgenommen. Sie arbeiten äußerst gewissenhaft und orientieren sich sowohl im Privat- als auch im Berufsleben sehr stark an Systemen, Normen, Regeln oder Listen.
  • ängstlich-vermeidend (= selbstunsicher): Die Betroffenen haben große Angst davor, negativ bewertet oder abgelehnt zu werden. Aus Angst vor Mißerfolgen vermeiden sie enge Bindungen, Konfliktsituationen und Herausforderungen. Andererseits verspüren sie den starken Wunsch nach Akzeptanz und emotionaler Nähe zu anderen Menschen.
  • histrionisch: Menschen, die unter einer histrionischen Persönlichkeitsstörung leiden, zeichnen sich durch theatralisches, dramatisch anmutendes Verhalten und eine übertriebene Emotionalität aus. Sie wollen ständig im Mittelpunkt stehen und Anerkennung von anderen erhalten.
  • disssozial (oder antisozial): Die Betroffenen neigen dazu, bedenkenlos und impulsiv zu handeln. Sie nehmen keine Rücksicht auf Folgen für sich oder andere. Es fehlt ihnen an Einfühlungsvermögen, Schuldbewußtsein und Verantwortungsgefühl.
  • schizoid: Menschen mit einer schizoiden Störung sind eher Einzelgänger, die sich in sozialen Beziehungen sehr distanziert zeigen. Schon als Kind oder Jugendlicher halten sie sich von anderen entfernt und beschäftigen sich lieber mit technischen oder wissenschaftlichen Spezialgebieten.
  • narzisstisch: Narzissten übertreiben bei der Beschreibung ihres eigenen Wertes oder ihrer Fähigkeiten und streben danach, bewundert zu werden. Gegenüber anderen Menschen erleben sie sich als überlegen und meinen, von allgemein geltenden Regeln und Normen entbunden zu sein.
  • paranoid: Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung hegen ein tiefes Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen Menschen. Sie erleben andere als grundsätzlich böswillig, diskriminierend und manipulativ.
  • schizotyp: Die Betroffenen fühlen sich in Beziehungen unbehaglich oder sind unfähig, diese einzugehen. Sie leben häufig isoliert und leiden unter ausgeprägten sozialen Ängsten, die zumeist von ihren bisweilen seltsamen Überzeugungen gespeist werden.

Menschen kann man nicht in Schubladen stecken. Deshalb ist es wichtig, die individuelle Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen vor seinem biographischen Hintergrund mit ihm zusammen zu betrachten und mit Hilfe des so gewonnen Verständnisses die Veränderungen in der Therapie anzustreben, die der jeweilige Mensch selbst wünscht.

Ausführlichere Informationen zum Krankheitsbild Persönlichkeitsstörung finden Sie hier:
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Download Therapieplan der Station P5
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Borderline

Menschen mit einer Borderline-Störung haben anhaltend starke Gefühlsschwankungen. Diese emotionale Unbeständigkeit wird häufig durch die Beziehung zu anderen Menschen ausgelöst: Borderline-Patienten können Enttäuschungen und Versagen sehr schlecht verkraften.

Die Betroffenen sehen sich und ihre Umwelt in einem Schwarz- oder Weiß-Muster. Sie stellen sehr hohe Anforderungen an sich selbst und andere und schaffen es nicht – gerade im privaten Lebensumfeld – enge und belastbare Beziehungen einzugehen. Gleichzeitig ist die Angst davor, allein zu sein und verlassen zu werden, ein bestimmendes Thema: Alleinsein empfinden die Betroffenen als höchst bedrohlich und vernichtend. Sie fühlen sich dann innerlich leer und stark angespannt. Diese Gefühle können sie häufig nur durch impulsives Verhalten kontrollieren. So greifen die Betroffenen etwa auf Drogen und Alkohol zurück. Mitunter verletzen sie sich selbst, essen impulshaft oder verhalten sich riskant.

Menschen kann man nicht in Schubladen stecken. Deshalb ist es wichtig, die individuelle Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen vor seinem biographischen Hintergrund mit ihm zusammen zu betrachten und mit Hilfe des so gewonnen Verständnisses die Veränderungen in der Therapie anzustreben, die der jeweilige Mensch selbst wünscht.



Ausführlichere Informationen zum Krankheitsbild Borderline und zur Behandlung finden Sie hier:
Download Krankheitsbild Borderline
Download Flyer Behandlung von Borderline-Störungen
Download Therapieplan der Station P5

Alkohol

Ist trinken nicht normal?

Als unbedenklich wird ein Alkoholkonsum bei Frauen angesehen, der 12 Gramm pro Tag an fünf Tagen der Woche nicht übersteigt, mit mindestens zwei Tagen, an denen gar nichts getrunken wird. Bei Männern 24 Gramm pro Tag.

 

Wieviel ist das denn?

Ein kleines Standardglas enthält in der Regel etwa 10 Gramm reinen Alkohol.

1 Glas Rotwein 0,1 l enthalten 9 Gramm Alkohol.

1 Glas Bier 0,25 l enthalten 10 Gramm Alkohol.

1 Glas Sekt 0,1 l enthalten 9 Gramm Alkohol.

1 Glas Schnaps 2 cl enthalten 6 Gramm Alkohol.

 

Und was ist zu viel?

Als riskant gilt ein Konsum über 12 Gramm bei Frauen und über 24 Gramm bei Männern pro Tag.

Als gefährlich gilt ein Konsum über 40 Gramm pro Tag bei Frauen und über 60 Gramm bei Männern.

Als Hochkonsum gelten mehr als 80 Gramm pro Tag bei Frauen und 120 Gramm bei Männern.

Auch ein harmloser, risikoarmer Alkoholkonsum kann bei bestimmten Risikogruppen (z.B. schwangere Frauen, alte Menschen, Menschen mit bestimmten Erkrankungen) als bedenklich gelten.

Zudem kann ein niedriger aber regelmäßiger Konsum zu einer Niedrig-Dosis-Abhängigkeit (Low-Dose-Abhängigkeit) führen.

 

Wie viele sind denn betroffen?

In unserer Gesellschaft leben über 3,6 Millionen Menschen mit einem riskanten Alkoholkonsum, bzw. mit einem schädlichen Alkoholgebrauch.

Des Weiteren leben in unserer Gesellschaft über 1,8 Millionen Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit.

Somit ist Alkohol nach Nikotin die häufigste legale „Volksdroge“. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Allein der volkswirtschaftliche Schaden der durch den schädlichen Alkoholkonsum in Deutschland entsteht (Behandlungskosten, Arbeitsunfähigkeit etc.) beträgt ca. 27 Milliarden Euro pro Jahr.

Nicht eingerechnet ist dabei das persönliche Leid, dass der Betroffene bzw. sein Umfeld durch den Alkoholkonsum erfährt.

 

Was sind die Ursachen?

Eine Alkoholabhängigkeit kann viele Ursachen haben. Unter anderem entsteht sie durch Stress bei der Arbeit oder durch Überbelastung im eigenen sozialen Umfeld. Aber auch viele psychische Erkrankungen wie z.B. Angststörungen oder Störungen anderer Gefühle führen häufig zu einem vermehrten Alkoholkonsum bzw. zu einer Abhängigkeit.

 

Hat das Folgen?

Ein vermehrter Alkoholkonsum kann selbst Ursache von mehr als dreißig körperlichen und psychischen Erkrankungen sein.

 

Merke ich das nicht?

Viele Menschen mit einem gefährlichen Alkoholkonsum bzw. einem schädlichen Alkoholgebrauch sind sich der Gefahr einer drohenden Alkoholabhängigkeit gar nicht bewusst oder verweigern sich einer möglichen Therapie. Daher ist eine frühe und umfassende Klärung der Diagnose mit einer eingehenden körperlichen Untersuchung durch einen Arzt, eine umfassende Laboruntersuchung, sowie einer umfassenden psychologischen Testung sinnvoll und notwendig.

 

Alkoholiker, sind das nicht die Menschen, die  auf der Straße leben?

Menschen mit einer Alkoholkrankheit findet man in allen Bereichen und Schichten unserer Gesellschaft. Auch Menschen in hoch angesehenen Berufen können betroffen sein.

 

Wie fühle ich mich als Betroffener?

In der frühen Phase der Abhängigkeit erleben die Betroffenen das Trinken häufig als entlastendes Gefühl gegenüber von beruflichen, familiären bzw. Alltagsproblemen. Außerdem erlebt man den Alkoholkonsum als entspannend, zum Teil sogar als angstlösend bzw. stimmungshebend. Im weiteren Verlauf, insbesondere bei Vernachlässigung seines Alltags, erlebt der Betroffene häufiger ein Scham- oder Schuldgefühl, bzw. bei Ansprache auf das vermehrte Alkoholkonsumverhalten ein Gefühl von Ärgernis. Letztendlich sehen viele Menschen mit einem Alkoholproblem keine Veränderung bzw. Behandlungsnotwendigkeit für sich; mehr als die Hälfte aller alkoholabhängigen Menschen verneinen für sich die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit. Ebenso verweigern viele Menschen mit einem Alkoholproblem sich in therapeutische Hilfe zu begeben.

 

Welche Beschwerden macht denn eine Alkoholkrankheit?

Menschen mit einem gefährlichen Alkoholkonsummuster bzw. einem schädlichen Gebrauch bzw. mit einer Abhängigkeit haben häufig folgende Symptome, die auf das Alkoholproblem hinweisen:

  • Unbezwingbares Verlangen nach Alkohol bzw. das Unvermögen, den täglichen Alkoholkonsum zu reduzieren.
  • Unvermögen, eine Zeitlang, z. B. über 14 Tage keinen Alkohol zu trinken.
  • Verlust der Kontrolle bezüglich des Beginns oder der Menge des Alkoholkonsums, zum Teil mit dem Verlangen nach morgendlichem Trinken.
  • Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung.
  • Körperliches Entzugssyndrom mit Auftreten von innerer Unruhe, Schwitzen und Zittern bei Reduzierung der Alkoholmenge.
  • Anhaltender Alkoholkonsum trotz Auftreten von gesundheitlichen Folgeschäden wie z.B. der Leberzirrhose.
  • Vernachlässigung anderer Interessen, z.B. soziale oder familiäre Interessen zu Gunsten des Alkoholkonsums.

 

Menschen mit einer Alkoholkrankheit werden häufig sowohl von ihrem näheren sozialen Umfeld, aber auch von Arbeitskollegen auf ihren Alkoholkonsum angesprochen und reagieren daraufhin meistens ablehnend und verärgert.

 

 

Was ist denn eine Alkoholabhängigkeit?

Die Alkoholabhängigkeit ist der Kontrollverlust über die konsumierte Alkoholmenge mit daraus resultierenden gesundheitlichen oder sozialen Folgeschäden.

Kommt es beim vermehrten Alkoholkonsum zu einem Kontrollverlust bezüglich der Menge, besteht die Gefahr einer Alkoholabhängigkeit. Ebenso kann das unbezwingbare Verlangen nach Alkohol, das schon morgendliche Trinken von Alkohol sowie eine Toleranzentwicklung gegenüber der Alkoholwirkung ein Zeichen einer beginnenden Abhängigkeit sein. Ebenso bedeutet das Auftreten von körperlichen Folgeschäden ein Zeichen einer Alkoholabhängigkeit. Auch das Einengen seines Alltags und dadurch das Vernachlässigen früherer, eigener Interessen durch den Substanzgebrauch ist ein deutliches Zeichen einer beginnenden Alkoholabhängigkeit.

 

Kann man etwas tun?

Eine individuelle, motivierende Aufklärung über die Risiken und Folgeerkrankungen einer Alkoholabhängigkeit sind sinnvoll, mit dem Angebot und der Einleitung zu den verschiedenen Therapieangeboten für alkoholkranke Menschen (siehe unten). Sowohl die Diagnoseabklärung als auch die anschließende individuell motivierende Aufklärung können im Marien Hospital und der Caritas im Probsteihof durchgeführt werden.

 

Wie wird behandelt?

Zunächst wird der Behandler die ausführliche Krankengeschichte erfragen und ein Arzt wird eine ausführliche körperliche Untersuchung vornehmen. Weiter sind eine alkoholbezogene Diagnostik und eine testpsychologischen Untersuchungsbefund notwendig.

Da viele alkoholabhängige Patienten ambivalent bzw. zum Teil ablehnend bezüglich weiterer Therapiemaßnahmen sind, sollte im Anschluss an die Diagnoseerhebung ein aufklärendes, motivierendes Gespräch zu den verschiedenen Therapiemöglichkeiten geführt werden.

Diese Therapiemöglichkeiten sind im Einzelnen: ambulante oder stationäre Entgiftung; ambulante oder stationäre Rehabilitationsbehandlung (Entwöhnung). Anbindung an eine Suchtberatung oder Anbindung an eine Selbsthilfegruppe. Des Weiteren sollte eine Anbindung an eine (suchtspezifische) Ambulanz bzw. an einen suchtspezifischen Arzt erfolgen.

 

Wo hin kann man sich wenden?

Menschen mit einer Alkoholproblematik können sich vertrauensvoll und diskret an das Marien Hospital bzw. an die Caritas im Probsteihof wenden, damit die notwendigen Schritte zu einer Abstinenz gemeinsam unternommen werden.

Im Marien Hospital helfen wir Betroffenen in Zusammenarbeit von Internisten, Psychiatern und Psychotherapeuten.

 

Und wenn mein Angehöriger nicht will?

Gegen den Willen oder unter Zwang kann keine sinnvolle Therapie einer Alkoholkrankheit erfolgen. Die Entgiftung und die Entwöhnung sind für den Betroffenen nur mit einer hohen, eigenen Motivation zu schaffen.

Sätze wie „Du trinkst schon wieder zu viel“ sind nicht förderlich. Allerdings sollten die eigenen Sorgen um den Alkoholkonsum des Angehörigen auch nicht verschwiegen sondern früh und offen angesprochen werden. Anstelle von Vorwürfen kann man den Betroffenen vielleicht motivieren, sich selber einmal zu informieren, ob sein oder ihr Alkoholkonsum noch harmlos ist oder die Grenze schon überschreitet.

Sollte Ihr Angehöriger durch den Alkoholkonsum sich oder andere massiv gefährden, zum Beispiel indem er alkoholisiert Auto fährt, so können Sie sich auch selber an eine Beratungsstelle, wie zum Beispiel am Probsteihof, wenden. Aber auch in anderen Fällen kann man Ihnen dort mit einem Rat zur Seite stehen.